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Eine komplette Punktlandung: TÜV Nord Group installiert neues Rechenzentrum

Leroy Racette, Bereichsleiter EDV bei der TÜV NORD GROUP, realisierte eines der modernsten Rechenzentren in Deutschland mit einer Verfügbarkeit von 99,99 Prozent.

In Hannovers Süden ist eines der modernsten Rechenzentren Deutschlands entstanden. Die TÜV NORD GROUP konzentiert hier zukünftig alle EDV-Aktivitäten der nationalen und internationalen Tochtergesellschaften. Neben hoher Verfügbarkeit und Sicherheit stand bei der Planung auch die Energieeffizienz ganz oben auf der Prioritätenliste. Sowohl in den Serverräumen als auch in der Energieverteilung kommen Lösungen von Rittal zum Einsatz.

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Über 10.000 Mitarbeiter sind innerhalb der TÜV NORD GROUP in Deutschland und in über 70 Ländern weltweit tätig. Um die notwendige EDV-Infrastruktur für die Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen, betreibt der Anbieter von Beratungs-, Service- und Prüfdienstleitungen vier Rechenzentren in Deutschland und mehr als 70 Kleinstrechenzentren weltweit. Das mittelfristige Wachstum von etwa 10 Prozent pro Jahr konnte mit der aktuellen EDV-Infrastruktur kaum bewältigt werden. Da eine Modernisierung der vorhandenen Rechenzentren finanziell nicht sinnvoll war, entschied sich der Vorstand für den Neubau eines modernen Rechenzentrums am Standort Hannover. Das Ziel: sämtliche Aktivitäten aller nationalen und internationalen Rechenzentren zu konsolidieren und zu zentralisieren. Insgesamt investierte das Unternehmen rund acht Millionen Euro, wobei die reinen Baukosten etwa ein Drittel der Gesamtsumme ausmachen.

Schutz vor Einbruch, Feuer und Wasser
Das neue Rechenzentrum, das in massiver Bauweise errichtet wurde, hat eine Grundfläche von 1.500 m2 und ist in einen zweigeschossigen Mitteltrakt, in dem die Technikzonen untergebracht sind, und zwei eingeschossige Hallenflügel mit den Serverräumen aufgeteilt. Neben den Technikkomponenten sind im mittleren Gebäudeteil ein Leitstand und Besprechungsraum vorgesehen. Das Rechenzentrum erfüllt höchste Sicherheitsstandards gemäß der TÜViT Zertifizierung „Trusted Site Infrastructure“ Level 3, wobei der TÜViT selbst nach EN 45 011 akkreditiert und zertifiziert ist. Auch den Anforderungen der European Security Systems Association (ESSA) tut die TÜV NORD GROUP genüge und kann im Rechenzentrum mit dem ECB•S Standard nach EN 1047-2 punkten: Die Norm besagt, dass die sicherheitstechnischen Einrichtungen wirkungsvoll gegenüber Einbruch, Brand und Wasser geschützt sein müssen. So sind die beiden Serverräume als ECB•S-zertifizierte Sicherheitszellen als Raum-in-Raum-System ausgeführt. Sie können einem Feuer für 180 Minuten standhalten, ohne dass die IT-Infrastruktur im Innern in Mitleidenschaft gezogen wird. Innerhalb der Serverräume sorgt eine automatische Brandlöschanlage mit NOVEC™ 1230 von 3M dafür, dass ein entstehendes Feuer schnell und wirkungsvoll gelöscht wird, ohne die Hardware zu beschädigen.

Hohe Verfügbarkeit essenziell
18 Kameras mit 360°-Objektiven überwachen das gesamte Gebäude inklusive des Außenbereichs rund um die Uhr. Fünf gestufte Sicherheitszonen mit Zutrittskontrollanlagen sorgen dafür, dass nur berechtigtes Personal die jeweilige Zone betreten kann. Den Serverbereich selbst kann widerum nur der betreten, der einen individuellem Zahlencode eingibt. Insgesamt haben bloß zwei oder drei Personen uneingeschränkten Zutritt zu allen Bereichen des neuen Rechenzentrums. Das gesamte Sicherheitsmanagement entspricht den Qualitätsstandards gemäß ISO 27001 und ISO 27002. Während der Planung haben die Verantwortlichen festgelegt, dass die Verfügbarkeit 99,99 Prozent entsprechen soll – das bedeutet eine maximale Ausfallzeit des Rechenzentrums von 52 Minuten im Jahr. „Weiterhin wurde die externe Energieversorgung so dimensioniert, dass das Rechenzentrum 72 Stunden unabhängig von der externen Netzversorgung betrieben werden kann.“, erklärt Leroy Racette, Bereichsleiter EDV bei der TÜV NORD GROUP. Um diese hohe Verfügbarkeit zu erreichen, sind alle relevanten Systeme doppelt ausgeführt. Dies fängt bereits bei der Einspeisung aus der Mittelspannungsebene an: Das Rechenzentrum erhält seinen Strom vom Energieversorger über zwei getrennte Linien.

Sicher versorgt und geschützt
Die Niederspannungshauptverteilung (NSHV) ist redundant ausgeführt, so dass zwei komplett getrennte Stränge im gesamten Rechenzentrum vorhanden sind. Die Versorgung der einzelnen technischen Einrichtungen und auch der Serverräume kann alternativ über einen der beiden Stränge erfolgen. Kuppelschalter sorgen dafür, dass sowohl zwischen den beiden Einspeisetransformatoren und der Netzersatzanlage, als auch zwischen den beiden NSHV umgeschaltet werden kann. Die NSHV hat einen Bemessungsstrom von 4.000 Ampere und basiert auf dem Ri4Power-System von Rittal. Durch die formunterteilte Bauweise in 4b ist ein Arbeiten an einzelnen Abgängen möglich – und zwar ohne dass die gesamte Anlage spannungsfrei geschaltet werden muss. Sollte doch einmal ein Stromausfall auftreten, muss die USV muss die Versorgung nur einige Minuten aufrechterhalten. Der Dieselmotor der Netzersatzanlage (NEA) leistet 1.500 kW und kann über einen Generator das komplette Rechenzentrum für 72 Stunden versorgen – bei einem Verbrauch von 250 Litern Diesel pro Stunde. Bis Dieselmotor und Generator synchronisiert sind, dauert es nur wenige Minuten.

Energieeffiziente Kühlung und Stromverteilung
Auch die Kühlung des Rechenzentrums ist redundant aufgebaut. Im Obergeschoss des Mitteltrakts stehen dazu die Kältemaschinen, die die entsprechende Kälteleistung zur Verfügung stellen. Auf dem Gebäudedach sind zwei Hybridkühler installiert, die die Wärmeenergie aus den Serverräumen an die Umgebung abgeben. Diese kühlen das Wasser-Glykol-Gemisch zunächst mit Umgebungsluft, was bis zu einer Außentemperatur von +16 °C problemlos funktioniert. Bei höheren Temperaturen erfolgt die Kühlung über verdunstendes Wasser. Die damit erzielte Energieeinsparung entspricht einem verminderten CO2-Ausstoß von etwa 312 Tonnen pro Jahr. Das gekühlte Wasser kühlt in den Serverräumen die Luft/Wasser-Wärmetauscher (LWWT), die dann die Kaltluft für die Server zur Verfügung stellen. Die 120 Serverschränke in Serverraum 1 sind in einem Kalt-/Warmgang-Konzept aufgestellt.

Blau machen erwünscht
Die Serverschränke und das Zubehör hat die TÜV NORD GROUP ebenfalls von Rittal bezogen. Dabei wurden sämtliche Schränke in blau lackiert, um dem Corporate Design des Unternehmens zu entsprechen. Die Energieversorgung für die Server erfolgt durch den Doppelboden. Für die Stromversorgung in den IT-Racks ist das modulare Stromverteilungssystem Rittal Power System Module (PSM) installiert. Grundvoraussetzung für eine hohe Energieeffizienz ist die Messung der aufgenommenen elektrischen Leistung. Mit den intelligenten, modularen PSM-Stromverteilungsschienen kann der Anwender die Leistungsaufnahme und alle weiteren wichtigen elektrischen Betriebsparameter wie Spannung, Strom, Powerfaktor und Energieverbrauch pro Phase genau erfassen.

Überwachung und Optimierung
Das PSM-System stellt die Messwerte sowohl über den im Monitoringssystem integrierten Webserver als auch per SNMP zur Verfügung. Durch die Anbindung an ein Energiemanagementsystem lässt sich der Energieverbrauch überwachen und optimieren. Auch andere wichtige Messwerte, wie etwa die Temperaturen im Kalt- und im Warmgang, werden überwacht. Zusammengefasst werden die Daten über das Monitoringsystem Computer Multi Control III (CMC) von Rittal. Seit Jahresbeginn läuft die gesamte Rechenleistung nun ausschließlich über das neue Rechenzentrum. Bis zu 1.200 moderne Bladeserver will die TÜV NORD GROUP zukünftig einbauen. Besonders stolz ist die TÜV NORD GROUP – neben der technischen Leistungsfähigkeit des neuen Rechenzentrums – auf den vollständig eingehaltenen Kostenplan. „Sowohl beim Projektplan als auch bei den Baukosten sind wir im Plan geblieben. Dies ist bei Projekten dieser Größenordnung nicht selbstverständlich“, hebt Leroy Racette heraus. Eine komplette Punktlandung eben.