Mit dem neuen IT- und Data Center LINZ 1 hat die LINZ AG TELEKOM ihre Rechenzentrumsstrategie um einen nachhaltigen, redundant ausgelegten Standort erweitert. 204 Racks, präzise Kaltgangführung und eine skalierbare Infrastruktur von Rittal schaffen die Basis für steigende Leistungsdichten und zukünftige Anforderungen – bis hin zu KI-Szenarien.
Was durch KI-Anwendungen kommt, wird sich zeigen; technisch können wir es umsetzen. Die Basis ist geschaffen.
Hinter einem unscheinbaren Eingang führt der Weg durch eine Schleuse in das Gebäude und schließlich in den zentralen Datenbereich der LINZ AG TELEKOM. Hier liegen nicht nur die eigenen Daten, sondern auch die von Firmen- und Privatkunden, die hier im neuen IT- und Data Center LINZ 1 der LINZ AG TELEKOM ihre Server betreiben. Mit der offiziellen Inbetriebnahme Anfang Juni 2025 erweiterte die LINZ AG TELEKOM damit ihre Rechenzentrumskapazitäten deutlich. Und auch ohne Fenster wird deutlich: Das Rechenzentrum ist Teil eines größeren Ganzen. Der LINZ AG Campus wurde erweitert: Büroflächen für rund 300 Mitarbeitende, Tiefgarage, Umspannwerk und Fernkältezentrale sind hier unter einem Dach mit dem neuen Rechenzentrum namens LINZ 1 vereint. Gerade diese räumliche Nähe schafft Vorteile. Die Kühlung erfolgt über die Fernkälte aus der im Nachbargebäude integrierten Zentrale. Gleichzeitig wird die Abwärme des Rechenzentrums zur Beheizung des Netzgebäudes genutzt. Eine Grünfassade ist ein weiteres sichtbares Zeichen dafür, dass Nachhaltigkeit hier nicht nur ein Schlagwort ist. Rund 14 Millionen Euro investierte die LINZ AG TELEKOM in das Rechenzentrumsprojekt.
Zwei Standorte, eine Strategie
Das neue IT- und Data Center LINZ 1 verfügt über rund 600 m2 Serverraumfläche. Im Endausbau sollen auf zwei Ebenen 204 Racks mit Platz für 9.000 Server bereitstehen. Aktuell ist etwa die Hälfte installiert. Ein Stockwerk ist für interne Systeme des Konzernverbundes reserviert, im anderen Stockwerk ist Platz für die Rechner der Kundinnen und Kunden sowie für den Netzleitrechner der LINZ NETZ, mit dem das Linzer Stromnetz verwaltet, geschaltet und überwacht wird. Vom Viertelschrank über halbe Racks bis hin zum 17er-Cage reicht das Angebot. Diese Mischung ist zwar ungewöhnlich, wird aber von den Kundinnen und Kunden aktiv nachgefragt. Ebenfalls nachgefragt sind redundante Systeme. Und die bieten die beiden IT- und Data Center LINZ 1 und das ein paar Kilometer entfernte LINZ 2 in Urfahr. „Redundanz ist für viele ein entscheidendes Argument“, erklärt Harald Reischl, Produktmanagement der LINZ AG TELEKOM. Mit zwei Standorten kann die LINZ AG TELEKOM genau das bieten. Und das Angebot endet nicht beim Server Housing. Glasfaseranbindung, Internet, Standleitungen, 5G und Telefonie – alles kommt bei der LINZ AG TELEKOM aus einer Hand und wird über einen Ansprechpartner betreut. „Standortnähe ist für viele Unternehmen wichtig“, so Reischl. Im Raum Linz zählt die LINZ AG TELEKOM zu den größten Anbietern hochwertiger Lösungen.
Präzision in der Planung
Aus der Planung des 2014 eröffneten IT- und Datacenters LINZ 2 hat das Projektteam eine Menge an Erfahrung in das neue Rechenzentrum mitgebracht. „Wir mussten nichts grundlegend anders oder besser machen“, betont Daniel Jung, Rechenzentrumsleiter der LINZ AG TELEKOM. Die Erfahrungen aus Planung und Betrieb waren solide. Reischl und Jung blicken auf ein Projekt zurück, das nicht einfach über Nacht entstanden ist. Bereits 2019 hat die Planung dafür begonnen. Schon damals war klar: Die Nachfrage nach Serverplätzen wächst. LINZ 2 lief bereits erfolgreich, war zu rund 80 Prozent verkauft und damit voll. „Wir wussten, was wir wollen und was nicht. Daher haben wir die Ausschreibung bewusst herstellerneutral gemacht“, so Reischl. Dennoch fiel die Entscheidung – wie schon bei LINZ 2 und bei weiteren TELEKOM-Standorten – erneut auf Rittal. Die Partnerschaft basiert nicht allein auf den Produkten, sondern auf einem gemeinsamen Qualitätsanspruch. „Faszinierend war auch die Präzision in der Ausschreibung und später in der Umsetzung“, sagt Peter Hoffmann, Verkaufsleiter für IT-Infrastruktur bei Rittal Österreich rückblickend auf das Projekt. „Die LINZ AG TELEKOM hat sehr klar kommuniziert, was gewünscht ist – und genau das wurde umgesetzt. Ein Straight-forward-Projekt.“
Wenn Technik wächst
Zum Einsatz kommen in LINZ 1 klassische Rittal VX IT Schränke sowie die VX IT Compartment Racks. Für den Aufbau gemischter Applikationen an einem Standort mit unterschiedlicher Zugriffsberechtigung wie in LINZ 1 kann man zwischen zwei und vier getrennten Installations-Compartments in einem Schrank wählen. Getrennte Kabelführung je Compartment inklusive, die über belüftete Stahlblechtüren vorne und hinten die Klimatisierung der Komponenten sicherstellt.
In LINZ 2 kamen noch 1.000 Millimeter tiefe Racks zum Einsatz, im neuen IT- und Data Center sind es schon 1.200 Millimeter, die aktuell als Standard gelten. „Die IT-Systeme werden aber zunehmend tiefer“, erklärt Hoffmann. Hardwarehersteller würden diese Entwicklung antreiben. Denn die Leistungsdichte steigt, Server werden kompakter und gleichzeitig leistungsfähiger, so der Rittal-Experte. Mit Blick auf KI-Anwendungen geht die Entwicklung sogar in Richtung einer Racktiefe von 1.400 Millimeter – insbesondere im Hyperscaler- und Scientific-Umfeld, so Hoffmann. Als Hersteller ist Rittal gefordert, diese Entwicklungen in seinen Planungen frühzeitig einzubeziehen, um am Puls der Zeit zu bleiben und die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellen zu können. „Rittal ist zum Beispiel aktuell der einzige Hersteller, der OCP ORV 3 approved Racks für KI-Anwendungen bereitstellen kann“, versichert Hoffmann und sagt weiter: „Was wir heute im Colocation-Bereich anbieten, haben wir mit Hyperscalern oft schon Jahre zuvor durchgespielt.“ Und dieser Prozess ist noch längst nicht abgeschlossen, denn Rittal arbeitet weiterhin daran, die Technologien aus dem Hyperscaler-Bereich Colocation-tauglich zu machen.
Gut temperiert
Ohne Klimatisierung geht auch in Linz nichts, selbst wenn die Kälte grundsätzlich aus der hauseigenen Fernkältezentrale kommt. „Wir waren der Meinung, dass der eingehauste Kaltgang mit Doppelboden in der Betriebsführung die einfachste und effizienteste Methode ist“, sagt Daniel Jung. Es ist eine nüchterne Feststellung und zugleich das Ergebnis jahrelanger Betriebserfahrung. Bei dieser Klimatisierungslösung werden die Racks von Tür- und Deckenelementen umschlossen, die die kalte und warme Luft im Rechenzentrum voneinander trennen. Die warme Luft wird dann nach oben hin abgeführt. Direkt gekühlte Racks seien hier noch nicht notwendig, auch wenn die entsprechenden Anschlüsse schon vorbereitet sind. „Was durch KI-Anwendungen kommt, wird sich zeigen“, sagt Jung. „Technisch können wir es umsetzen. Die Basis ist geschaffen.“
Wenn Statik auf Design trifft
Eine besondere Herausforderung zeigte sich bei der Planung des Gebäudes. Die enormen Deckenspannweiten machten den Bau von Säulen statisch notwendig. „Wo eine Säule steht, entsteht unter Umständen eine Lücke in der späteren Rackreihe“, erklärt Jung. Mit Weitblick wurden bereits in der Planungsphase die Kaltgänge so ausgerichtet, dass die Säulen später möglichst wenig stören würden. Heute ist diese planerische Herausforderung kaum noch zu erkennen: Die Säulen wurden mit Racks verkleidet. Von außen wirken die Reihen durchgängig und die Rückseiten können als Passivschrank genutzt werden. Eine pragmatische, sauber umgesetzte Lösung. Manfred Wurzinger, Senior Key Account Manager IT-Infrastruktur bei Rittal und Projektbeteiligter ist beeindruckt: „Die ausführende Firma hat das brillant gelöst.“
Qualität ist sichtbar
In einem Rechenzentrum bekommt Ästhetik eine eigene Bedeutung. „Die Komponenten, die in Racks eingebaut werden, kosten oft ein Vielfaches vom ganzen Rechenzentrum. Was denken sich Kundinnen und Kunden, die Hardware im Wert von einer Million Euro in einen Schrank einbaut und daneben ist es schmutzig oder unordentlich“, fragt Reischl mehr rhetorisch als ernsthaft auf eine Antwort wartend. „Alles, was man verkaufen will, muss auch optisch ansprechend sein“, heißt es weiter im Gespräch. Saubere Verkabelung zahlt aber nicht nur auf das Erscheinungsbild ein. Sie erleichtert den Betrieb, steigert die Effizienz der Kühlung und vereinfacht Wartung und Erweiterungen. Struktur ist hier kein Selbstzweck, sondern Teil der Betriebsstrategie.
Ein neuer Anfang
Während die Serverräume noch nicht vollständig bestückt sind, ist eines klar: Das Fundament ist gelegt. Zwei Standorte, nachhaltige Infrastruktur, präzise Planung und eine Systemplattform, die auf zukünftige Anforderungen vorbereitet ist. „Wir wussten, was wir wollen“, sagt Jung noch einmal. Und vielleicht liegt genau darin der Kern dieses Projekts. In Linz beginnt’s – diesmal mit einem Rechenzentrum, das zeigt, wie technische Präzision, nachhaltige Standortwahl und partnerschaftliche Umsetzung zusammenwirken können.
Übersicht
- Projekt
- Data Center LINZ 1
- Ort
- Linz, Österreich
- Herausforderung
Energieeffizienz
Ausfallsicherheit
Redundanz
600 m2 Serverraumfläche: 204 Racks bieten Platz für 9.000 Server
tragende Säulen stören in den Rackreihen
- Lösung
Kaltgang
VX IT und Compartment Racks
detaillierte Planung
Leer-Racks umkleiden die Säulen