Künz GmbH

Ein Rechenzentrum auf dem Dach

Wo entstehen heute die wertvollsten Güter eines Maschinenbauers? Nicht nur in der Produktion, sondern auch in Form von Daten. Bei dem weltweit agierenden Hersteller von Container- und Spezialkranen Künz laufen immer mehr Informationen aus Fertigung, Entwicklung und Anlagen zusammen. Daher entstand gemeinsam mit Rittal ein neues Rechenzentrum – als modularer Container auf dem Dach eines Bestandsgebäudes.

Text: Mag. Barbara Sawka, freie Redakteurin
Bilder: Wolfgang R. Fürst und Künz GmbH

Wenn eine Zusammenarbeit über rund fünfzig Jahre besteht, ist das der beste Beweis für unsere Zufriedenheit.
Georg Schuch, Managing Director Künz GmbH

Wer das Werksgelände von Künz in Hard in Vorarlberg betritt, erwartet nicht, dass sich das neue Herzstück des Unternehmens nicht in einer der Produktionshallen befindet, sondern versteckt auf dem Dach eines Gebäudes. Es ist ein Container. Doch genau hier laufen seit Juni 2026 sämtliche digitalen Fäden des weltweiten Technologieführers im Kranbau zusammen. Nicht nur die Büro-IT des Unternehmens oder die Produktionsdaten der Fertigung, sondern auch die Daten zahlloser Krananlagen, die weltweit im Einsatz sind und vom Headquarter in Hard aus betreut werden, sind hier untergebracht. 

Künz Managing Director Georg Schuch (Mi.), IT-Leiter Jürgen Kreutzer (re.) und Rittal Außendienst Thomas Bauer (li.) sind mit dem reibungslosen Ablauf des Projekts sehr zufrieden.

„Die IT umfasst bei uns sämtliche Unternehmensbereiche – vom Office bis zur Produktion. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit unseren Softwareentwicklern zusammen, wenn es um die Überwachung unserer Krananlagen geht“, sagt Georg Schuch, Managing Director von Künz. Das Vorarlberger Familienunternehmen zählt zu den traditionsreichsten Maschinenbauern Österreichs und entwickelt seit 1952 hochautomatisierte Spezialkrane für Kunden auf der ganzen Welt. Dazu gehören Containerkrane für den Hafenumschlag, Elektrolysekrane für die Zink-, Kupfer- und Nickelindustrie, Recycling- und Holzumschlagkrane sowie vollautomatische Schienentransportkrane. Der entscheidende Vorteil liegt in der außergewöhnlich hohen Fertigungstiefe. Von der ersten Kundenberatung über Konstruktion, Elektrotechnik und Automatisierung bis hin zur Softwareentwicklung und Produktion entsteht nahezu alles im eigenen Haus.

Daten als Produktionsfaktor 

Diese Fertigungstiefe bringt etwas mit sich: Daten. Sehr viele Daten. Jede Abteilung arbeitet mit eigenen Softwarelösungen, jede erzeugt Daten, die verarbeitet, gespeichert und langfristig verfügbar sein müssen. Noch größer werden die Datenmengen nach der Auslieferung der Anlagen. Viele Krane bleiben dauerhaft mit Hard verbunden. Betriebszustände werden überwacht, Diagnosedaten übertragen und ausgewertet. Ziel ist es, Verfügbarkeit und Produktivität der Anlagen kontinuierlich zu verbessern. „Unsere Kunden erwarten höchste Verfügbarkeit – vielfach rund um die Uhr“, ergänzt Jürgen Kreutzer, Teamleiter IT-Infrastruktur. „Wir bekommen große Mengen an Kundendaten, die wir erfassen, analysieren und auswerten, damit die Anlagen möglichst effizient betrieben werden können. Stichwort: Predictive Maintenance. Diese Daten laufen alle über unser zentrales Rechenzentrum.“ 

Künz Krane arbeiten auf der ganzen Welt - teil- und vollautomatisiert

Opfer des Erfolgs 

Trotz zahlreicher Erweiterungen und Modernisierungen, um sicherheitstechnisch auf dem letzten Stand zu sein, waren irgendwann die Kapazitäten des Rechenzentrums ausgeschöpft. „Wir haben es kontinuierlich aufgerüstet, aber irgendwann war klar, dass wir an die Grenzen stoßen“, sagt Kreutzer. Gleichzeitig entwickelte sich das Unternehmen dynamisch weiter. Allein in den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Server nahezu verdoppelt. Themen wie Machine Learning begleiten Künz seit Langem, künftig werden auch KI-Anwendungen zusätzliche Rechenleistung benötigen. „Außerdem laufen hier im Headquarter alle Fäden zusammen“, erklärt Kreutzer. „Wenn wir hier ein Problem haben, betrifft das praktisch alle Standorte weltweit. Deshalb wollten wir eine Lösung, die dem aktuellen Stand der Technik entspricht und gleichzeitig genügend Reserven für die kommenden Jahre bietet.“ 


Gerade war ein neues Bürogebäude entstanden, doch wertvolle Büroflächen für einen Serverraum zu opfern, erschien wenig sinnvoll. Das neue Rechenzentrum sollte also keinen zusätzlichen Baugrund beanspruchen, hochwassersicher sein, den strengen Brandschutz-Anforderungen entsprechen und genügend Reserven für das weitere Wachstum bieten. Die Lösung fand Künz gemeinsam mit Rittal Österreich in Form eines komplett ausgestatteten Rechenzentrumscontainers. 
 

Der Container, der fast unsichtbar auf dem Dach der Künz GmbH steht, ist von außen optisch ansprechend verkleidet und bietet innen viel Platz für acht VX IT Racks, Klimatisierung, Warmgangschottung, USV-Anlage, Spannungsverteilung, Monitoring, Brandfrüherkennung, Löschanlage und die komplette Netzwerkinfrastruktur.

Inbetriebnahme in Rekordzeit

„Anfang 2025 haben wir mit der Planung begonnen. Ende April 2026 wurde der Container geliefert und Anfang Juni war das neue Rechenzentrum bereits in Betrieb.“, sagt Kreutzer. Der Container wurde auf ein bestehendes Betriebsgebäude aufgesetzt, das im Zuge einer Sanierung adaptiert wurde. Damit erfüllt das Rechenzentrum alle Vorgaben: Es liegt außer-halb des hochwassergefährdeten Bereichs, ist brandschutztechnisch vom übrigen Gebäude getrennt und benötigt keine zusätzliche bebaubare Fläche. „Wir haben von baulicher Seite ein fertiges Gebäude bekommen und konnten es direkt in unsere Infrastruktur integrieren. So haben wir keinen wertvollen Platz verschwendet“, beschreibt Schuch einen der größten Vorteile, den er immer wieder betont. Platz im Ländle ist rar und teuer.


Mehr als ein Serverraum

Von außen wirkt der Container unscheinbar. Im Inneren verbirgt sich jedoch ein vollständiges Rechenzentrum. Der rund zwölf Meter lange, 3,2 Meter breite und 3,0 Meter hohe Data Center Container beherbergt acht VX IT-Racks, die Klimatisierung, Warmgangschottung, USV-Anlage, Spannungsverteilung, Monitoring, Brandfrüherkennung, Löschanlage und die komplette Netzwerkinfrastruktur. „Im Grunde haben wir nicht nur ein anschlussfertiges Rechenzentrum bekommen, sondern gleich den kompletten Technikraum dazu. Es ist ein Viereck, das alles für die IT macht“, sagt Kreutzer. Michael Meisinger, Solution Architect bei Rittal Österreich und für die Umsetzung des Projekts verantwortlich, ergänzt: „Ich bin ein großer Fan dieser Containerlösungen. Sie lassen sich exakt an die Anforderungen des Kunden anpassen und sind trotzdem innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit. Genau diese Kombination aus Individualität und Geschwindigkeit hat auch bei Künz überzeugt“. Für Thomas Bauer, Technischer Außendienst bei Rittal Österreich, liegt die eigentliche Stärke des Konzepts im ganzheitlichen Ansatz: „Ein Rechenzentrum besteht heute längst nicht mehr nur aus Serverracks. Unsere Container werden komplett ausgestattet geliefert. Dadurch entsteht eine Infrastruktur, die unmittelbar einsatzbereit ist und sich bei Bedarf flexibel erweitern lässt.“
 

Kein Lärm

Eine besondere Herausforderung gab es dennoch. Und zwar nicht die Statik, sondern die Klimatisierung. Und hier auch nicht die technische Machbarkeit, sondern die Lautstärke der vorgesehenen Lüfter. Da sich das Werksgelände mitten in einem Wohngebiet befindet, musste bereits im Genehmigungsverfahren nachgewiesen werden, dass die zulässigen Schallgrenzen eingehalten werden. „Wir haben gemeinsam mit einem Bauphysiker verschiedene Szenarien berechnet und den optimalen Aufstellungsort für die Außengeräte gesucht“, erzählt Kreutzer. Auch für Rittal war das Projekt deshalb alles andere als Standard. „Wir haben mehrere Runden gedreht“, erinnert sich Bauer. „Ursprünglich hatten wir unsere Blue e+-Klimageräte im Blick. Aufgrund der benötigten Anzahl der Geräte wären wir allerdings schnell an die maximal zulässigen Schallwerte gekommen.“ Gemeinsam entwickelte das Projektteam deshalb eine andere Lösung. Zum Einsatz kommen jetzt drei Liquid Cooling Packages LCP DX. Die rackbasierte Kühlung passt ihre Leistung kontinuierlich an den tatsächlichen Bedarf an. Die Verflüssiger wurden außerhalb des Containers platziert, wodurch die eigentliche Lärmquelle räumlich vom Rechenzentrum getrennt ist – ein entscheidender Vorteil für den Standort mitten im Wohngebiet. „So konnten wir sowohl die technischen Anforderungen als auch die strengen Vorgaben hinsichtlich der Geräuschemission erfüllen“, erklärt Bauer. 
 

Partnerschaft über Jahrzehnte

Die Zusammenarbeit zwischen Künz und Rittal reicht weit zurück. „Sie dauert schon viele Monde“, sagt Schuch mit einem Lächeln. Seit Jahrzehnten liefert Rittal Gehäuse- und Systemtechnik an den Vorarlberger Maschinenbauer. Das Rechenzentrum war nun das erste gemeinsame IT-Projekt. „Wenn eine Zusammenarbeit über rund fünfzig Jahre besteht, spricht das für sich. Das ist der beste Beweis für unsere Zufriedenheit“, sagt Schuch. Auch Bauer sieht in dem Projekt weit mehr als einen weiteren Auftrag. „Künz zählt zu den modernsten Industriebetrieben Vorarlbergs. Umso mehr freut es uns, dass wir mit unserer Lösung einen Beitrag leisten konnten.“

www.kuenz.com


 

Übersicht

Projekt
Künz Data Center Container
Ort
Hard in Vorarlberg, Austria
Herausforderung

Die IT ist an ihre Grenzen gestoßen, eine Erweiterung ist dringend nötig. Da ist der Data Center Container von Rittal die beste und noch dazu schnellste Lösung. Der Container wird platzsparend auf dem Dach eines Gebäudes errichtet. Die Kühlung erfolgt mittels Liquid Cooling Packages, die Verflüssiger befinden sich räumlich getrennt. So können die für das Wohngebiet vorgeschriebenen Lautstärkegrenzen eingehalten werden.

Lösung

Acht VX IT-Racks

Drei Liquid Cooling Packages DX

Warmgangschottung

USV-Anlage

Spannungsverteilung

Monitoring

Brandfrüherkennung

Löschanlage 

Netzwerkinfrastruktur

Künz GmbH

Wie sich Potenziale im Schaltschrankbau heben lassen

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