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Ein Jahreszeiten-Rechenzentrum für Geislinger

Karl-Heinz Stavinoha, IT-Leiter des Salzburger Metallbauunternehmens Geislinger, realisierte ein energieeffizientes Rechenzentrum mit Sommer- und Winterschaltung.

Mit einer Sommer- und Winterschaltung gelingt es dem Salzburger Metallbauunternehmen Geislinger sein neues Rechenzentrum nicht nur energieeffizient zu betreiben, sondern die Abwärme zusätzlich zur Heizung der Werkshalle zu nützen. Die Klimalösung nennt sich LCP DX und stammt von Rittal.

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Vier Meter im Durchmesser sind die größten Exemplare, hergestellt für die größten Ozeandampfer dieser Welt. Der schwerste ist sogar 36 Tonnen schwer und in einem 333 Meter langen Öltanker im Einsatz. Die Rede ist von Drehschwingungsdämpfern und drehelastischen hochdämpfenden Kupplungen für Diesel- und Gasmotoren. Entwickelt und gebaut werden diese oft viele Tonnen schweren Teile von der Salzburger Firma Geislinger, die seit den 60er Jahren in Hallwang beheimatet ist und sich zum Weltmarktführer auf diesem Gebiet entwickelt hat. Gebraucht werden die Dämpfer und Kupplungen nicht nur auf den Weltmeeren, sondern generell in großen Dieselmotoren oder Kraftwerksanlagen, Schiffen, Zügen und Windturbinen bis hin zu großen Kolbenkompressoren, Muldenkippern und Baggern.

Aus alt macht neu
Neben viel Know-how benötigt ein international agierendes Unternehmen wie Geislinger mit Niederlassungen in Korea, den USA, China und Japan natürlich auch eine funktionierende IT. Und die war bis letzten Sommer nicht ganz am letzten Stand, wie IT-Leiter Karl-Heinz Stavinoha zugibt: „Unser Rechenzentrum war schon 25 Jahre alt. Die Technologie hat nicht mehr gepasst, der Stand der Technik war einfach nicht mehr zeitgemäß.“ Ausschlaggebend für das neue Rechenzentrum waren vor allem Probleme mit der Klimatisierung. Angebunden an die zentrale Klimaanlage hat es zunehmend Probleme durch den permanenten Ausbau bei Geislinger gegeben. „Die Anlage war einfach überlastet, und es hat immer mehr Vorfälle gegeben“, erzählt Stavinoha und ergänzt „Das war für uns einfach nicht ausfallsicher genug.“ Nach ein paar realen Ausfällen während der Sommermonate mussten dann sogar temporär Klimageräte im Rechenzentrum aufgestellt werden. „Das war der letzte Kick, bei dem wir gesagt haben: Jetzt müssen wir agieren“, so der IT-Leiter.

Planungspartner Rittal
Und dann ging es an die Planung. Eine der wesentlichsten Phasen bei der Errichtung oder Adaptierung eines Rechenzentrums. Fragen der Verfügbarkeit, Effizienz und Auslastung sollten hier rechtzeitig geklärt werden. „Wir haben dieses Wissen nicht inhouse bei uns, deshalb haben wir das an die Spezialisten von Rittal ausgelagert“, erzählt Stavinoha. Mit einer Operation am offenen Herzen vergleicht der IT-Leiter die Umstellung, vor der man sich naturgemäß etwas scheut. „Wir sind dann sehr schnell mit Rittal zusammengekommen. Denn wir haben ehrlich gesagt am Markt keine vernünftigen Alternativen gesehen“, streut Stavinoha Rittal Rosen. Außerdem habe man gemerkt, Rittal kenne sich aus, habe die richtigen Leute, und das habe schlussendlich einfach gepasst.

Engineering & Consulting
Rittal, seit mehr als 50 Jahren für seine Schaltschranklösungen bekannt, hat sich im vergangenen Jahrzehnt immer mehr mit dem Thema Rechenzentrum beschäftigt und daraus sein umfangreiches IT-Portfolio entwickelt. Individuelle Lösungen, von der kleinen IT-Einheit bis zum komplexen Rechenzentrum, stehen dabei im Mittelpunkt. Dafür analysieren die Spezialisten den aktuellen Stand, den zukünftigen Bedarf, die baulichen und physischen Gegebenheiten, die vorhandenen IT-Strukturen und finden die nachweisbaren Optimierungspotenziale heraus.

Das ermöglicht die Planung und Umsetzung von IT-Systemen mit maximaler Effizienz in Leistung, Kosten, Prozessen, Energieeinsatz, Kompatibilität, Verfügbarkeit und Sicherheit. In der Fach- und Detailplanung führt Rittal alle notwendigen Analysen und Berechnungen durch, fertigt sämtliche Zeichnungen und Unterlagen an und wählt die optimalen Lösungen und Komponenten für die IT-Umgebung aus.

Widerspruch Sicherheit und Daten-Cloud?
Aber zahlt es sich überhaupt noch aus, unternehmenseigene Rechenzentren zu bauen, da doch die Daten-Cloud als Wunderlösung gilt? Experten meinten sogar, dass sich nur mehr wenige Unternehmen ein eigenes Rechenzentrum leisten und sämtliche Anwendungen in die Cloud verschieben würden. Bislang scheint sich diese Prognose nicht zu bestätigen. Auch bei Geislinger beschäftigt man sich mit der Wolke. „Wir hatten schon einige Services in der Cloud, die haben wir wieder zurückgenommen“, so Stavinoha. „Vorerst bleiben wir dabei: Geschäftskritische Applikationen, die eine hohe Verfügbarkeit und/oder eine hohe Datensicherheit erfordern, werden bei Geislinger On-Premise gehostet.“

Daher nimmt das Thema Sicherheit auch bei der Planung und Umsetzung des neuen Rechenzentrums in Hallwang eine zentrale Rolle ein. So gibt es an allen Standorten immer ein Backup-Zentrum, und auch die Klimatisierung und Stromversorgung ist stets redundant ausgelegt. Das bestätigt auch Robert Eichhorn von Rittal, der maßgeblich an Planung und Umsetzung beteiligt war. „Es gibt von der Trafostation eine zweite Leitung ins Rechenzentrum, die USV ist modular ausgebaut, wir haben Bypass-Schaltungen, und über unser Computer Multicontrol System (CMC) werden Temperatur, Rauchmelder, Feuer, Löschanlage sowie Zutritt überwacht.“

„In Bad St. Leonhard, wo unser österreichischer Produktionsstandort liegt und die ganzen produktionsrelevanten Systeme gehostet werden, dort haben wir sogar drei Rechenzentren, zwei davon mit Rittal-Technologie ausgestattet“ bestätigt Karl-Heinz Stavinoha die Sicherheitsbestrebungen von Geislinger.

Doppelnutzen Abwärme
Ein besonderes Anliegen des Technikchefs Matthias Geislinger, gemeinsam mit seinem Bruder Cornelius (CEO) auch Namensgeber des Unternehmens, ist das Thema Umwelt und Energieeffizienz. Und die ist in einem Rechenzentrum bekanntlich in Hinblick auf die Klimatisierung ein sehr gewichtiges. Die maßgeschneiderte Lösung für kleinere und mittlere IT-Infrastrukturen, wie sie bei Geislinger zu finden ist, nennt sich Liquid Cooling Package Direct Expansion (LCP DX) von Rittal. Es besteht aus einem integrierten drehzahlgeregelten Kompressor, einem elektronischen Expansionsventil und weiteren Kältekomponenten wie etwa dem dazugehörigen externen Verflüssiger. Dieser wird im Außenbereich angebracht. Für den Betrieb des externen Verflüssigers sind keine aktiven Regelungskomponenten erforderlich: Die Drehzahl der Lüfter wird nur über den Druck des Kältemittels bestimmt. Damit war auch Karl-Heinz Stavinoha zufrieden: „Das hat genau zusammengepasst von der Technik, von der Leistung und vom Konzept her.“ Das Besondere daran: Es gibt eine Sommer- und Winterschaltung. Jeweils zwei Racks und zwei Kühleinheiten sorgen je nach Jahreszeit für die Klimatisierung des Rechenzentrums. Von November bis April wird die Abwärme zusätzlich in die Werkshalle geleitet. Und das alles ohne exorbitanten Aufwand und Kosten. Die Umbauten für das Wintersystem waren minimal: ein paar zusätzliche Leitungen und zwei, drei Durchbrüche. Neben der jahreszeitlichen Trennung der Abwärme steht das aktuell nicht benötigte System als Redundanz zur Verfügung. Zwei Fliegen mit einer Klappe.

Auf gute Zusammenarbeit
Nach der Planungs- kam schließlich im Sommer 2014 die Umsetzungsphase. Ganze vier Tage waren für den Umbau vorgesehen. In dieser Zeit war nur ein Notbetrieb möglich, selbst die Telefonanlage war außer Betrieb. Alle relevanten Dienste wurden aber über das Backup-Zentrum am Salzburger Standort abgewickelt. Karl-Heinz Stavinoha erinnert sich: „Ich war schon nervös. Wenn man gesehen hat, wie die IT gewachsen ist, welche Kabelstrukturen sich im Laufe der Zeit entwickelt haben – wir waren uns nicht so sicher, ob das so klappt.“ Aber man sei ins kalte Wasser gesprungen. „Und wie es dann losgegangen ist, habe ich schon ein richtig gutes Gefühl gehabt“, so Stavinoha. Rückblickend kann er die Zusammenarbeit aller Beteiligten in der heißen Phase nur als „Top“ bezeichnen. Es wurde übergreifend gearbeitet, man habe sich als ein Team gesehen.

Mit Rittal gibt es bereits eine längere Zusammenarbeit. „Mir ist wichtig, dass der externe Partner auch zu uns passt. Wir sind ein Mittelstandsunternehmen, haben keine großen Teams und arbeiten sehr direkt zusammen. Daher ist es für uns sehr wesentlich, dass wir bei unseren Lieferanten ähnliche Strukturen finden“, erklärt Stavinoha. Dabei schätzt er Robert Eichhorn als direkten Ansprechpartner bei Rittal sehr. Dieser kann das Lob an Geislinger nur zurückgeben „Es war auch von unserer Seite sehr einfach, wir hatten ein Gegenüber, das uns zugehört hat. Und wir hatten das Glück, dass alles aus einer, nämlich unserer Hand kommen konnte. Wir hatten keine Reibungsverluste, keine Schnittstellen.“ Den Umbau leicht gemacht hat auch die perfekte Planung. Schon vorab wurden Szenarien durchgespielt und mit allen Eventualitäten kalkuliert. „Der Umbau ist durchgespielt worden, und das hat so gut funktioniert, weil wir die Daten auch so gut bekommen haben. Das Geislinger-Team hat gewusst, was es will, und wir haben gesagt, wie wir es machen. Das hat wirklich reibungslos funktioniert“, erinnert sich Eichhorn abschließend.

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WORD RAP - Karl-Heinz Stavinoha antwortet

1.) Wie sehen Sie die technologische Entwicklung in der IT?
Generell wird man den Cloudservices nicht gänzlich auskommen. Es gibt zunehmend Services, die nur mehr über die Cloud angeboten werden. Wir müssen aber darauf achten unsere Kernkompetenz zu behalten, gute Strategien entwickeln und uns dort Expertenwissen holen, wo wir es brauchen.

2.) Was braucht man, um ein Rechenzentrum erfolgreich zu betreiben?
Man muss schauen, dass man alles hat, was man braucht. Sei es eine Löschanlage, eine energieeffiziente Klimatisierung und natürlich ausreichend Kapazität für künftiges Wachstum. Es ist wichtig, da genau den Mittelweg zu finden.

3.) Was macht Ihnen Spaß an der IT?
Modernste Maschinen und Arbeitsplätze sind Teil des ganzheitlichen Firmenkonzeptes bei Geislinger. Dies gilt besonders auch für die eingesetzte IT-Infrastruktur. Man wird immer mit neuen Sachen konfrontiert, muss sich laufend mit neuen Technologien auseinandersetzen. Das macht natürlich Spaß, wenn man Gehör findet und wirklich etwas bewegen kann.

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